Programm

Detaillierte Informationen zum Programm:

 

  • Workshop: Antisemitismus und Sprache: Verknüpfung und Gegenstrategien, von Ruth Wodak Donnerstag 15.11.18, 12:00 – 14:00 Uhr

In diesem Workshop geht es vor allem darum, unterschiedliche Realisierungen antisemitischer Vorurteile zu erkennen, zu dekonstruieren und zu analysieren. Abgesehen von anonymen Öffentlichkeiten ist es in Österreich (und in Westeuropa) üblich, nach 1945 antisemitische Vorurteile eher kodiert zu äußern, in Wort, Schrift, und Bild; und nicht explizit. Dies variiert je nach Vorurteilsinhalt, Kontext, und historischen Zusammenhängen. Im Osten Europas ist es hingegen noch üblich, antisemitische Vorurteile durchaus explizit zu äußern (vgl. die Soros Kampagne in Ungarn). Daher wird es im Workshop darum gehen, die unterschiedlichen Vorurteilsinhalte, ihre potentiellen Realisierungen und auch die politische Instrumentalisierung zu diskutieren. Dazu werden wir einige Beispiele zusammen analysieren. Als vorbereitende Lektüre empfehle ich mein Buch 2016, Politik mit der Angst, wie auch das Buch Wodak et al. 1990, “Wir sind alle unschuldige Täter”, Suhrkamp Verlag.

Dr. Ruth Wodak ist Professorin für Diskursforschung, an der Lancaster University in England, sowie für Angewandte Linguistik, an der Universität Wien. Zu ihren Forschungsgebieten zählen unter anderem, Sprache und Politik (Populismusforschung), Migrationsforschung, und linguistische Vorurteilsforschung zu Rassismus und Antisemitismus.

 

  • Workshop: Antisemitismus im Film, von Frank Stern                                                                     Donnerstag 15.11.18, 15:30 – 17:30 Uhr

Ist Antisemitismus nur falsches Denken, irrationale Haltung, überholte Mentalität, morsches Gedankengut Ewiggestriger? Angesichts aller aktuellen Studien, nahezu täglicher Berichterstattung über “Sager”, “Ausrutscher” wohl kaum. Das Bemühen z.B. von Politikern, Ärzten und Juristen, am Beispiel von rituellem Schlachten und Beschneidung die alten Blutlegenden über Juden zu reaktivieren und dabei vermeintlich gleich den konstruierten jüdischen  “Belzebub” zusammen mit dem imaginierten muslimischen “Teufel” austreiben zu wollen, deutet darauf hin, dass sich heute traditionelle antisemitische Vorurteile, völkischer Fremdenhass mit der Ablehnung alles kulturell Anderen verbinden. Dabei modernisiert sich der antisemitische Habitus, kann sich philosemitisch oder philo-israelisch verkleiden. Antisemitismus ist daher kein statisches Gebilde, erklärte Antisemiten sind nicht durch Aufklärung zu überwinden. Die drei Grundsäulen des heutigen Antisemitismus können daher nur zusammen bekämpft werden: Leugnung der Shoah, Leugnung des Antisemitismus, Leugnung des Zionismus.

Dr. Frank Stern ist Geschichts- und Kulturwissenschaftler und Leiter des Schwerpunkts für Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

 

  • Workshop: Geschichte und Gegenwart des Nah-Ost Konflikts, von Alexander Feuerherdt                 Freitag 16.11.18, 12:00 – 14:00

Zur Geschichte und Gegenwart des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern 

Als die Vereinten Nationen im November 1947 mit deutlicher Mehrheit den Teilungsplan für das britische Mandatsgebiet Palästina verabschiedeten, schufen sie die Basis für die Gründung zweier Staaten: eines jüdisch-israelischen und eines arabisch-palästinensischen. Die jüdische Bevölkerung im Mandatsgebiet akzeptierte diesen Beschluss. Die arabischen Staaten dagegen lehnten ihn radikal ab – und griffen Israel am Tag nach dessen Gründung am 14. Mai 1948 mit militärischer Gewalt an. Seitdem lebt der jüdische Staat faktisch im Kriegszustand mit fast allen seinen Nachbarländern, die ihn – mit Ausnahme von Ägypten und Jordanien – nicht anerkennen und seine Existenzberechtigung bestreiten. Auch die politischen Führungen der Palästinenser haben bis heute ihre Vorstellung von einer »Befreiung ganz Palästinas« nicht aufgegeben und streben weiterhin nicht nach einer Zweistaaten-, sondern nach
einer Kein-Staat-Israel-Lösung. Sämtliche Verhandlungen im Zuge des Friedensprozesses haben daran nichts geändert. Doch warum ist das so? Welche Gründe gibt es dafür?
Im Workshop soll die Geschichte des sogenannten Nahostkonflikts aufgearbeitet und bilanziert werden; ein Schwerpunkt wird dabei auf den Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern seit 1993 legen. Zudem soll die gegenwärtige Situation in Israel und den palästinensischen Gebieten beleuchtet und dabei auch der Frage nachgegangen werden, welche Hindernisse auf dem Weg zu einem Frieden es gibt. Abschließend soll ein Ausblick gewagt werden, der auch die Geschehnisse in Israels
Nachbarländern berücksichtigt.

Alex Feuerherdt ist freier Publizist und lebt in Köln. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge zu den Schwerpunktthemen Israel, Antisemitismus, Naher Osten und Fußball, unter anderem in der »Jüdischen Allgemeinen«, der »Jungle World«, bei »n-tv.de« und »MENA-Watch«.

 

  • Vortrag: Antizionismus = Antisemitismus?, von Stephan Grigat                                                           Freitag 16.11.18, 19:30 – 21:00

Antisemitismus & Antizionismus
Vom traditionellen Judenhass über den modernen Antisemitismus zum Hass auf Israel

Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen hinaus. In den Attacken auf Israel tritt der Antisemitismus als eine spezifische Form des Judenhasses nach Auschwitz auf, der sich gegen den kollektiven Juden, den
jüdischen Staat, richtet. Der Vortrag soll zum einen die Entwicklungslinie von traditioneller christlicher und islamischer Judenfeindschaft über den modernen Antisemitismus bis hin zum Antizionismus nachzeichnen. Zum anderen soll hinsichtlich des Antizionismus die geschichtliche Entwicklung und die sich modifizierenden Begründungen für die Ablehnung des Zionismus und den Hass auf den jüdischen Staat bis hin zum gegenwärtigen eliminatorischen Antizionismus der diversen Spielarten des Islamismus und insbesondere des iranischen Regimes und seiner Verbündeten dargestellt werden.

Dr. Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Uni Wien, Permanent Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum der Uni Potsdam, Research Fellow am Herzl Institute for the Study of Zionism and History der Uni Haifa und Wissenschaftlicher Direktor von STOP THE BOMB.