Programm

Detaillierte Informationen zum Programm:

 

  • Workshop: Struktureller Antisemitismus und verkürzte Kapitalismuskritik/ Antiamerikanismus, von Sarah Kanawin                                                                                                                                      Donnerstag 15.11.18, 12:00 – 13:30 Uhr

In diesem Workshop soll ein einführender Überblick darüber erarbeitet werden, was struktureller Antisemitismus ist und wie dieser mit verkürzter Kapitalismuskritik und Antiamerikanismus zusammenhängt. Im nächsten Schritt wird es darum gehen, wo und in welchen Formen er zu finden ist. Dabei geht es auch darum, eigene Ansichten und Verhaltensweisen zu überdenken und kritisch zu reflektieren. Es ist kein Vorwissen notwendig (schadet aber natürlich auch nicht) nur die Bereitschaft, sich auf eine selbstkritische Auseinandersetzung einzulassen.

Mag.a Sarah Kanawin ist Film- und Medienwissenschaftlerin und arbeitet als Trainerin für politische Erwachsenenbildung. Ihre Arbeiten durchzieht eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus unter anderem in ihrem Beitrag zu Antiintellektualismus in Friends und How I Met Your Mother in dem KritTFM Sammelband „How I Got Lost Six Feed Under Your Mother“.

 

  • Workshop: Antisemitismus und Sprache: Verknüpfung und Gegenstrategien, von Ruth Wodak Donnerstag 15.11.18, 12:00 – 13:30 Uhr

In diesem Workshop geht es vor allem darum, unterschiedliche Realisierungen antisemitischer Vorurteile zu erkennen, zu dekonstruieren und zu analysieren. Abgesehen von anonymen Öffentlichkeiten ist es in Österreich (und in Westeuropa) üblich, nach 1945 antisemitische Vorurteile eher kodiert zu äußern, in Wort, Schrift, und Bild; und nicht explizit. Dies variiert je nach Vorurteilsinhalt, Kontext, und historischen Zusammenhängen. Im Osten Europas ist es hingegen noch üblich, antisemitische Vorurteile durchaus explizit zu äußern (vgl. die Soros Kampagne in Ungarn). Daher wird es im Workshop darum gehen, die unterschiedlichen Vorurteilsinhalte, ihre potentiellen Realisierungen und auch die politische Instrumentalisierung zu diskutieren. Dazu werden wir einige Beispiele zusammen analysieren. Als vorbereitende Lektüre empfehle ich mein Buch 2016, Politik mit der Angst, wie auch das Buch Wodak et al. 1990, „Wir sind alle unschuldige Täter“, Suhrkamp Verlag.

Dr. Ruth Wodak ist Professorin für Diskursforschung, an der Lancaster University in England, sowie für Angewandte Linguistik, an der Universität Wien. Zu ihren Forschungsgebieten zählen unter anderem, Sprache und Politik (Populismusforschung), Migrationsforschung, und linguistische Vorurteilsforschung zu Rassismus und Antisemitismus.

 

  • Vortrag: Antisemitismus an Wiens Hochschulen im 19. und 20. Jahrhundert, von Linda Erker und Katharina Kniefacz Donnerstag 15.11.18, 15:30 – 17:00 Uhr

An den Hochschulen der Hauptstadt stellte antisemitisches und
deutschnationales Gedankengut unter den Universitätsangehörigen bereits
lange vor dem „Anschluss“ im März 1938 die dominante
Diskriminierungsform dar. Ziel des Vortrags ist es, die kontinuierliche
Bedeutung und Funktionalisierung des Antisemitismus als prägendste
Anfeindungsform an Wiens Hochschulen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts
aufzuzeigen. Dabei gilt es auch die Intersektionalität des
Antisemitismus – die Überschneidung mit anderen Ausschlussmotiven
(Antifeminismus, Antislawismus, politische Gründe) –zu betrachten,
zeithistorisch zu verorten und die handelnden Akteure über die
Jahrzehnte hinweg zu benennen. Den Schwerpunkt legt der Beitrag auf die
Betrachtung der fünf Wiener Hochschulen, an denen etwa drei Viertel
aller HochschülerInnen Österreichs studierten, die Universität Wien
spielt dabei als größte Alma mater (ca. 50 % aller Studierenden) eine
herausragende Rolle.

Kurzbiografien:
Mag.a Dr.in Linda Erker, Wissenschafts- und Zeithistorikerin,
wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.

Mag.a Katharina Kniefacz, Wissenschafts- und Zeithistorikerin, seit 2016
Mitarbeiterin des Archivs der Universität Wien (Redakteurin der Website
„650 plus | Geschichte der Universität Wien“) und der Forschungsstelle
der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

 

  • Workshop: Antisemitismus im Film, von Frank Stern                                                                     Donnerstag 15.11.18, 15:30 – 17:00 Uhr

Ist Antisemitismus nur falsches Denken, irrationale Haltung, überholte Mentalität, morsches Gedankengut Ewiggestriger? Angesichts aller aktuellen Studien, nahezu täglicher Berichterstattung über „Sager“, „Ausrutscher“ wohl kaum. Das Bemühen z.B. von Politikern, Ärzten und Juristen, am Beispiel von rituellem Schlachten und Beschneidung die alten Blutlegenden über Juden zu reaktivieren und dabei vermeintlich gleich den konstruierten jüdischen  „Belzebub“ zusammen mit dem imaginierten muslimischen „Teufel“ austreiben zu wollen, deutet darauf hin, dass sich heute traditionelle antisemitische Vorurteile, völkischer Fremdenhass mit der Ablehnung alles kulturell Anderen verbinden. Dabei modernisiert sich der antisemitische Habitus, kann sich philosemitisch oder philo-israelisch verkleiden. Antisemitismus ist daher kein statisches Gebilde, erklärte Antisemiten sind nicht durch Aufklärung zu überwinden. Die drei Grundsäulen des heutigen Antisemitismus können daher nur zusammen bekämpft werden: Leugnung der Shoah, Leugnung des Antisemitismus, Leugnung des Zionismus.

Dr. Frank Stern ist Geschichts- und Kulturwissenschaftler und Leiter des Schwerpunkts für Visuelle Zeit- und Kulturgeschichte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.

 

  • Vortrag: Aktuelle Manifestationen von Antisemitismus im europäischen Vergleich/Westeuropa, von Helga Embacher                                                                                                                                     Freitag 16.11.18, 10:00 – 11:30

Die Vorlesung gibt einen Überblick über Antisemitismus in Westeuropa (insbesondere Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Österreich) seit Beginn des 21. Jahrhunderts, wobei der Fokus auf Antisemitismus im rechten und linken Spektrum sowie auf Antisemitismus in muslimischen Communities gelegt wird. Ein weiterer Schwerpunkt bilden das Nachwirken des Holocaust sowie post-koloniale Debatten.

a.o. Univ. Prof. Helga Embacher ist Zeithistorikerin am Fachbereich Geschichte an der Universität Salzburg mit den Forschungsschwerpunkten Nationalsozialismus, jüdische Geschichte, Migration und Antisemitismus

 

  • Workshop: Antisemitismus und Geschlecht – Von der friedfertigen Antisemitin zur queer-theoretischen Post-Zionistin, von Ljiljana Radonić                                                                               Freitag 16.11.18, 12:00 – 13:30

Jahrzehntelang hat die „neue Frauenbewegung“ ein positives Bild von „der Frau“ im NS gezeichnet, was nicht selten zu einer den Holocaust verharmlosenden Argumentation führt(e). Entgegen der Tatsache, dass Frauen als KZ-Aufseherinnen, Fürsorgerinnen oder Denunziantinnen an der antisemitischen Ausgrenzung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden begeistert mitwirkten, werden sie in feministischen Schriften oft als auf die Mutterrolle reduzierte „Gebärmaschinen“ dargestellt – ein feministischer Fall von Täter(innen)-Opfer-Umkehr. Handelt es sich um einen spezifisch feministischen Antisemitismus, wenn Matriarchatsforscherinnen dem Judentum und seinem historischen „Ausmordungsprogramm“ die Schuld an der Zerstörung des Matriarchats geben und es als besonders patriarchale Religion imaginieren? Der Bogen reicht bis Judit Butler, die nicht mehr vom „alten Israel“ spricht, sondern alles Schlechte im heutigen, rassistischen, vom Siedlerkolonialismus und Reinheitsvorstellungen geprägten, auf Vertreibung basierenden, illegitimen Staat Israel verortet, der aufgrund anhaltender „Deportationen“ und des „konzentrierenden Kolonialismus“ ebenfalls selbst schuld an der ihm drohenden Zerstörung sei. Schließlich lässt sich auf Basis einer kritischen Theorie des Antisemitismus die Frage stellen, ob Antisemitismus bei Frauen und Männern die gleichen Bedürfnisse befriedigt, oder ob entsprechend der verschiedenen Geschlechterrollen unterschiedliche Inhalte projiziert werden.

Ljiljana Radonić setzt sich seit ihrem 2004 erschienenen Buch Die friedfertige Antisemitin? Kritische Theorie und Geschlechterverhältnis mit weiblichen Opfermythen auseinander. 2018 ist mit Die friedfertige Antisemitin reloaded. Weibliche Opfermythen und geschlechtsspezifische antisemitische „Schiefheilung“ (Graz: Clio 2018) eine aktualisierte Version erschienen. Sie lehrt Antisemitismus- und Kritische Theorie am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und verfasst ihre Habilitation am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen eines Elise-Richter-Stipendiums des FWF.

 

  • Workshop: Geschichte und Gegenwart des Nah-Ost Konflikts, von Alexander Feuerherdt                 Freitag 16.11.18, 12:00 – 13:30

Zur Geschichte und Gegenwart des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern 

Als die Vereinten Nationen im November 1947 mit deutlicher Mehrheit den Teilungsplan für das britische Mandatsgebiet Palästina verabschiedeten, schufen sie die Basis für die Gründung zweier Staaten: eines jüdisch-israelischen und eines arabisch-palästinensischen. Die jüdische Bevölkerung im Mandatsgebiet akzeptierte diesen Beschluss. Die arabischen Staaten dagegen lehnten ihn radikal ab – und griffen Israel am Tag nach dessen Gründung am 14. Mai 1948 mit militärischer Gewalt an. Seitdem lebt der jüdische Staat faktisch im Kriegszustand mit fast allen seinen Nachbarländern, die ihn – mit Ausnahme von Ägypten und Jordanien – nicht anerkennen und seine Existenzberechtigung bestreiten. Auch die politischen Führungen der Palästinenser haben bis heute ihre Vorstellung von einer »Befreiung ganz Palästinas« nicht aufgegeben und streben weiterhin nicht nach einer Zweistaaten-, sondern nach
einer Kein-Staat-Israel-Lösung. Sämtliche Verhandlungen im Zuge des Friedensprozesses haben daran nichts geändert. Doch warum ist das so? Welche Gründe gibt es dafür?
Im Workshop soll die Geschichte des sogenannten Nahostkonflikts aufgearbeitet und bilanziert werden; ein Schwerpunkt wird dabei auf den Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern seit 1993 legen. Zudem soll die gegenwärtige Situation in Israel und den palästinensischen Gebieten beleuchtet und dabei auch der Frage nachgegangen werden, welche Hindernisse auf dem Weg zu einem Frieden es gibt. Abschließend soll ein Ausblick gewagt werden, der auch die Geschehnisse in Israels
Nachbarländern berücksichtigt.

Alex Feuerherdt ist freier Publizist und lebt in Köln. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge zu den Schwerpunktthemen Israel, Antisemitismus, Naher Osten und Fußball, unter anderem in der »Jüdischen Allgemeinen«, der »Jungle World«, bei »n-tv.de« und »MENA-Watch«.

 

  • Workshop: Bildungsarbeit gegen Antisemitismus/ Holocaust Education; Antisemitismus erkennen und Strategien dagegen entwickeln, von Elke Rajal                                                   Freitag 16.11.18, 15:30 – 17:00

In diesem Workshop geht es darum, was antisemitismuskritische Bildungsarbeit in einer
postnazistischen Gesellschaft bedeutet, wie sie aussehen kann, aber auch was für Fallstricke
existieren. Ausgehend von den zahllosen politischen Bekenntnissen zu zeitgeschichtlichem Unterricht und sogenannter Holocaust Education wird analysiert, wie es um eine „Erziehung nach und über Auschwitz“ in Österreich heute bestellt ist. Angesichts der nur beschränkten Wirkung eines – auch noch so guten – zeitgeschichtlichen Unterrichts zur Prävention von Antisemitismus wird für die Notwendigkeit allgemeiner als auch spezifischer antisemitismuskritischer Bildungsanstrengungen argumentiert. Deren Grundlagen und Formen, Hemmnisse und Möglichkeiten – auch und besonders in der Migrationsgesellschaft – sollen im Workshop diskutiert werden.

Mag.a Elke Rajal ist Politikwissenschafterin und arbeitet in Forschung und Lehre zu den Schnittstellen von Politik, Zeitgeschichte und Bildung. Themenschwerpunkte: Nationalsozialismus, Vergangenheitspolitik, Antisemitismus, Geschlecht und Bildung (Politische Bildung, Holocaust Education, antisemitismuskritische Bildungsarbeit, Rechtsextremismusprävention und Migrationspädagogik). Sie engagiert sich in der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (FIPU).

  • Vortrag: Geschichte des Antisemitimus in Europe – Überblicksvortrag, von Shulamit Volkov           Freitag 16.11.18, 18:00 – 19:00

Antisemitismus und das Verdrängen des „Anderssein“: Erkenntnisse für Heute
Die lange Geschichte des Antisemitismus ist immer gebraucht worden für
politische Zwecke. In diesem Vortrag will ich mit einigen Beispielen für
diese Tatsache beginnen, besonders im Bezug auf den Nationalsozialismus und
den Holocaust. Man hat die ganze Geschichte des Antisemitismus seit der
Antike dafür benutzt, oder die kurzere Geschichte des modernen
Antisemitismus. Heute möchte ich einen Aspekt dieser Geschichte
hervorheben, nämlich das Verträngen des „Anderssein“, um ein besseres
Verständnis der Einstellung gegenüber Flüchtlingen und der Bedeutung von
Integration.

Shulamit Volkov ist eine israelische Historikerin mit dem Schwerpunkt Geschichte der deutschen Juden und des Antisemitismus. Sie ist Professorin emerita für moderne europäische Geschichte an der Universität Tel Aviv.

 

  • Vortrag: Antizionismus & Antisemitismus. Vom Judenhass über den modernen Antisemitismus zum Hass auf Israel, von Stephan Grigat                                                                                                      Freitag 16.11.18, 19:30 – 21:00

Antisemitismus & Antizionismus
Vom traditionellen Judenhass über den modernen Antisemitismus zum Hass auf Israel

Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen hinaus. In den Attacken auf Israel tritt der Antisemitismus als eine spezifische Form des Judenhasses nach Auschwitz auf, der sich gegen den kollektiven Juden, den
jüdischen Staat, richtet. Der Vortrag soll zum einen die Entwicklungslinie von traditioneller christlicher und islamischer Judenfeindschaft über den modernen Antisemitismus bis hin zum Antizionismus nachzeichnen. Zum anderen soll hinsichtlich des Antizionismus die geschichtliche Entwicklung und die sich modifizierenden Begründungen für die Ablehnung des Zionismus und den Hass auf den jüdischen Staat bis hin zum gegenwärtigen eliminatorischen Antizionismus der diversen Spielarten des Islamismus und insbesondere des iranischen Regimes und seiner Verbündeten dargestellt werden.

Dr. Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Uni Wien, Permanent Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum der Uni Potsdam, Research Fellow am Herzl Institute for the Study of Zionism and History der Uni Haifa und Wissenschaftlicher Direktor von STOP THE BOMB.